Muskelaufbau durch Phosphatidsäure – Kritik an der Studie – Soja-Lecithin

Warum ich den Kauf von Phosphatidsäure/Soja-Lecithin-Granulat nicht empfehle, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ich habe die Studie zu diesem Thema bereits ausführlich in diesem Video besprochen und meine Kritik daran deutlich gemacht. Wer nur kurz die Zusammenfassung der Studie und die Kritk daran nachlesen möchte, kann unten weiterlesen. Oder hier die Studie komplett lesen.

Was sind die Ergebnisse der Studie?

Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Placebo-Gruppe und eine Gruppe, die 750 mg  Phosphatidsäure bekam. 400 mg vor dem Training und 350 mg nach dem Training.

Beide Gruppen absolvierten ein standardisiertes Training und haben einen kontrollierten Ernährungsplan bekommen.

Die Ergebnisse sahen wie folgt aus.

Die Fettfreie-Masse erhöhte sich bei der Gruppe, die Phosphatidsäure bekam im Zeitraum von acht Wochen um 2,4 kg – geichzeitig verloren die Probanden 1,3 kg Körperfett.

Bei der Placebo-Gruppe erhöhte sich die Fettfreie-Masse nur um 1,2 kg und die Probanden verloren 0,5 kg Körperfett.

Außerdem konnten sich beide Gruppen in ihrem 1-Wiederholungsmaximum im Bankdrücken und der Kniebeuge verbessern. Auch hier konnte die Gruppe mit Phosphatidsäure größere Steigerungen verzeichnen.

Die Ergebnisse sind also im Vergleich zu allen anderen bekannten, legalen Supplements und selbst im Vergleich zu illegalen Steroiden sehr gut. Sie sind sogar schon zu gut, um nicht skeptisch zu werden.

Kritik an der Studie

Ich möchte mit der Kritik nur darauf hinweisen, dass man solche Studien nicht zu optimistisch interpretieren sollte.

Die Untersuchung wurde mit insgesamt 14 Probanden durchgeführt. Eine Untersuchung mit so wenigen Probanden, kann kaum allgemeingültige Aussagen liefern, da durch die geringer Anzahl Werte leicht verzerrt werden können. Wenn beispielsweise durch einen Zufall zwei genetisch besonders begünstigte Sportler in der Gruppe mit der Phosphatidsäure gelandet sind, dann werden die Ergebnisse natürlich schnell fehlinterpretiert. Sportler mit einer sehr guten Veranlagung bauen mehr als doppelt so schnell Muskulatur auf, im Vergleich zum Durchschnittsathleten.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Studie nicht unabhängig durchgeführt wurde. Die Studie wurde durch Chemi Nutra finanziert, die ein Patent für ein Phosphatidsäure Supplement beantragt haben. Außerdem arbeiten zwei der Autoren der Studie als Berater für dieses Unternehmen. Diese haben natürlich ein besonderes Interesse daran, dieses Supplement positiv wirken zu lassen.

Andere Supplemente wurden während der gesamten Untersuchung nicht gestattet, was auch sinnvoll ist! Allerdings wurde eine Ausnahme gemacht. Beide Gruppen bekamen nach dem Training einen Shake mit 24 Gramm Beef Protein. Beef Protein enthält kollagenes Eiweiß, welches der Körper so gut wie nicht zum Muskelaufbau nutzen kann. Es enthält sehr wenig Leucine und stimuliert dadurch die Muskelproteinsynthese nicht.

Das Problem ist hier, dass dies ein unwahrscheinliches Szenario ist, da die meisten Sportler eine Eiweißquelle nach dem Training konsumieren, die genügend Leucine enthält.

Das Argument, welches für Phosphatidsäure spricht, ist die starke Aktivierung von mTOR. In einem Test in der Petrischale wurde mTOR um über 600 % gesteigert. Fraglich ist allerdings, ob man nicht mit einer Proteinquelle, wie beispielsweise einem Whey-Protein schon die maximale Aktivierung von mTOR erreichen kann. Dazu gibt es leider keine Vergleiche. Fest steht nur, dass man mTOR eben auch dadurch aktivieren kann. Mehr dazu hier.

Im letzten Punkt möchte ich noch auf die größere Fettreduktion eingehen. Hier zeigt sich auch nochmal auf eine andere Art und Weise der Effekt einer zu geringen Anzahl an Probanden, die ich schon im ersten Punkt angesprochen habe. Die Ausgangslage für die Fettreduktion war nämlich bei der Gruppe mit Phosphatidsäure günstiger, da sie im Schnitt über mehr Fett verfügten. Die Gruppe hatte aber tatsächlich selbst nach den acht Wochen im Schnitt noch mehr Fett, als die Placebo-Gruppe vor den acht Wochen. Und je höher der Körperfettanteil ist, umso leicht ist es ihn schnell zu reduzieren. Wenn man weniger hat, ist es entsprechen „schwerer“ bzw. es dauert länger.

Fazit – Muskelaufbau Phosphatidsäure

Die Darstellung dieses Supplements und besonders die Interpretation der Studie war mir zu einseitig. (einseitig zu Gunsten von Phosphatidsäure)

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel eine andere Perpektive darstellen. Wenn man sich trotzdem Phosphatidsäure kaufen möchte, kann man das natürlich gerne tun. Mit doppelten Muskelzuwächsen würde ich allerdings nicht rechnen.

Quellen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4066292/

http://www.google.com/patents/WO2013175266A1?cl=en

http://examine.com/supplements/Leucine/

1 Comment. Leave new

bretzelbub
15. Juni 2016 17:14

Dankeschön! Leider wird aufgrund dieser Studie blindlings Phosphatidsäure empfohlen ohne überhaupt kritisch zu hinterfragen..

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